outside the box

outside the box:
eine Frage nach dem verhältnis
von kunst und öffentlichkeit

 

Wie das Axolotl nur im Xochimilco-See von Mexiko-Stadt zu finden ist, so ist auch Komuna//warszawa einzig in Warschau zu Hause oder das Het Veem Theater in Amsterdam. Sie haben sich aus einem ganz bestimmten Grund dort angesiedelt, haben sich mehr oder weniger gut an die Lebensbedingungen vor Ort angepasst, sind symbiotische Beziehungen eingegangen und »leben« in ihrem Habitat in Gesellschaft von Nutznießern und Fressfeinden.

 

outside the box ist ein Rechercheprojekt, das die Lebensbedingungen und Lebensräume von Kunstorten untersucht. Welche Funktion und Aufgabe hat Kanuti Gildi SAAL in Tallinn? Welche Interaktionen finden zwischen dem Forum Freies Theater und den Düsseldorfer Politikern statt? Wie profitieren die Mannheimer von zeitraumexit? Welchen Beitrag leistet das Grand Theatre zur Atmosphäre in Groningen? outside the box geht hinaus aus dem abgeschlossenen Kunstraum, aus Black Box und White Cube, und nimmt den Kunstort in seiner Einbettung in eine bestimmte Zeit, einen bestimmten Ort, in einen bestimmten gesellschaftlichen und politischen Mikrokosmos in den Blick.

 

Jeder der sechs beteiligten Kunstorte ist einmal Gast und einmal Gastgeber. Mit einem Team reist der Gast quer durch Europa zu seinem Gastgeber und führt gemeinsam mit den Menschen vor Ort, die als Publikum, als Geldgeber, als Passanten, als Anwohner, als Politiker, als Kritiker mit dem Kunstort verbunden sind Recherchen über seinen Gastgeber durch; er betreibt sozusagen Feldforschungen über einen Organismus in seinem natürlichen Habitat. Die Forschungsergebnisse – Proben, Kunstgegenstände, Zeichnungen, Notizen, Dokumente, Führer durch den Stadtdschungel, Anweisungen dafür, wie man sich im kulturpolitischen Sektor bewegt, Karten für Utopie-Projekte. In Zusammenarbeit mit Studenten des Masterstudiengangs Choreographie und Performance am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft der Universität Gießen werden die Ergebnisse auch auf einer virtuellen Forschungsplattform – platform.otb-research.com – präsentiert. Durch ihren spezifischen Ausbildungshintergrund, angesiedelt zwischen theoretisch-kritischer Reflexion und Tanz- und Theater-Praxis, bringen sie das Interesse und die Fähigkeit mit, Performance und Choreographie über den Ort der Kunst hinaus in politische und soziale Räume hinein zu denken.

 

Zu den Lebensbedingungen eines Kunstortes gehören auch die gesellschaftlichen und politischen Umstände, unter denen zeitgenössische Kunst in einer Kunstinstitution produziert wird, und die im europäischen Vergleich überraschend ähnlich sind. Kunstschaffende wie Kulturmanager leben heute in Projekten, die sie zuerst konzipieren, für die sie dann Geld beantragen und nach erfolgreichem Antragsverfahren in einer gewissen Zeit umsetzen.

 

Die Versuchsanordnung von outside the box soll zumindest partiell diese dem Kulturbetrieb inhärenten Bedingungen unterlaufen, um temporär die Aufmerksamkeit auf kleinste Unterschiede verschiedener Organismen zu lenken. Die Unterschiede in der Art und Weise wie Kunstorte lebendig werden, verdeutlichen unterschiedliche kulturelle und politische Bedingungen und heben die Positionen der Künstler hervor.
Wir sind froh, in unseren Förderern, insbesondere in der Kulturstiftung des Bundes, Ermöglicher gefunden zu haben, die es akzeptieren, dass die Recherchen ergebnisoffen sind. Die gesammelten Erfahrungen, Beobachtungen und Erkenntnisse werden im Anschluss an die Recherchephase ausgewertet, zusammengefasst und im Rahmen des Marktes im Juni in Mannheim präsentiert.